Die Wellentheorie hat den Ruf, beliebig dehnbar zu sein, nach dem Motto „man kann alles irgendwie zählen". Das stimmt nur halb. Es gibt drei zwingende Grundregeln, und die sind alles andere als beliebig. Anders als die flexiblen Leitlinien dürfen sie niemals verletzt werden. Verstößt eine Zählung gegen eine der drei Regeln, ist sie ungültig. Genau diese harten Grenzen machen die Methode überhaupt überprüfbar.
Regel 1: Welle 2 läuft nicht zu weit zurück
Welle 2 korrigiert Welle 1 niemals um mehr als 100 %. In einem Aufwärtsimpuls bedeutet das: Das Tief der Welle 2 liegt stets über dem Startpunkt der Welle 1. Ein neues Tief darunter widerlegt die Zählung sofort und liefert damit zugleich ein klares, objektives Invalidierungsniveau.
Regel 2: Welle 3 ist nicht die kürzeste
Welle 3 darf die kürzeste der drei Antriebswellen nicht sein. Sie muss also nicht zwingend die längste sein, aber niemals die kürzeste. In der Praxis ist Welle 3 sehr häufig sogar die längste und dynamischste. Ein Markt, dessen Welle 3 verkümmert, ist verdächtig und sollte zur Neuzählung anregen.
Regel 3: Welle 4 hält Abstand zu Welle 1
Welle 4 darf nicht in das Kursgebiet von Welle 1 eindringen. Im Aufwärtsimpuls liegt das Tief der Welle 4 über dem Hoch der Welle 1. Die einzige Ausnahme bilden Diagonalen, bei denen eine Überlappung erlaubt ist. Sie sind aber ein klar definierter Sonderfall, kein Freibrief.
Zusammenfassung
Drei Regeln, keine Ausnahmen außer der Diagonale: Welle 2 unterschreitet nicht den Start von 1, Welle 3 ist nicht die kürzeste, Welle 4 überlappt 1 nicht. Sie sind das Fundament jeder seriösen Zählung und gleichzeitig die natürlichen Stop-Marken jeder darauf aufbauenden Strategie.
Quellen
- A. J. Frost & Robert R. Prechter: Elliott Wave Principle: Key to Market Behavior, maßgebliche Darstellung der Regeln und Leitlinien.
- Ralph Nelson Elliott: The Wave Principle (1938), ursprüngliche Formulierung der Grundregeln.
