Zu einer seriösen Darstellung gehört, die Grenzen der Methode genauso klar zu benennen wie ihre Stärken. Die Elliott-Wellen-Theorie ist ein nützliches Ordnungs- und Wahrscheinlichkeitswerkzeug, aber kein Vorhersagesystem und kein Selbstläufer. Wer das verschweigt, verkauft eine Illusion.
Die wichtigsten Kritikpunkte
- Subjektivität: Dieselben Daten lassen oft mehrere gültige Zählungen zu. Das macht die Methode flexibel, aber auch schwer falsifizierbar.
- Rückschaufehler: Im historischen Chart ist die „richtige" Zählung offensichtlich; in Echtzeit ist sie es selten. Lehrbücher zeigen fast immer den Rückblick.
- Dehnbarkeit: Über Extensions und komplexe Korrekturen lässt sich fast jeder Verlauf nachträglich erklären. Erklärkraft im Rückblick ist aber nicht dasselbe wie Prognosekraft.
Zusammenfassung
Die Wellentheorie ist mächtig und zugleich verführerisch; ihre Subjektivität ist Stärke und Schwäche in einem. Als Baustein neben Risikomanagement und anderen Methoden ist sie wertvoll, als alleiniges Orakel überfordert sie. Damit schließt sich der Kreis zu den Grundlagen: Die Wellentheorie beschreibt Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten.
Quellen
- A. J. Frost & Robert R. Prechter: Elliott Wave Principle: Key to Market Behavior, Anwendung der Wellenanalyse auf Einstiege und Risikosteuerung.
- Robert R. Prechter (Hrsg.), Elliott Wave International, Aufbereitung der Theorie für die praktische Marktanalyse.
